Tanzen und Starre (17.7.2026)

Ein Dialog ging voraus, in dem es am Ende um mein Gefühl von Heimat ging und dem, wonach ich suche, wenn ich nach Heimat suche...

Ich:

Sofort schaue ich wieder auf meine Radix. Die Spitze des vierten Hauses im Wassermann.
Aber auch die anderen Häuser. Das zweite im Schützen mit Mars darin. Meine impulsiven Käufe.
Und Neptun im ersten.
Ich frage mich, ob es Neptun ist, der auf der Tanzfläche erstarrt, wenn er zu viel Kontur bekommt.
Ole sagte am Dienstag etwas Interessantes, als ich ihm davon erzählte. Und auch davon, dass ich damals mit Birgit einmal ein wenig Salsa lernte und mit ihr auf einer Gesellschaft tanzte. Damals hatte ich nicht das Problem. Ole meinte, dass ein Tanzpartner einem die Möglichkeit gibt sich dahinter zu verstecken. Das traf es für mich nicht ganz. Aber mit dem Tanzpartner steht man nicht alleine. Der Partner sorgt bereits dafür, dass die eigene Kontur nicht das ist um das es geht. Sondern es ist das Partnerschaftliche. Das, was aus dem Gemeinsamen entsteht.

KI:

Mirko, ich finde, Oles Bemerkung bringt euch beide erstaunlich nah an den Kern. Ich würde sie aber noch einen Schritt weiterführen.
Du schreibst:
"Mit dem Tanzpartner steht man nicht alleine. Der Partner sorgt bereits dafür, dass die eigene Kontur nicht das ist, um das es geht."
Ich glaube, genau das ist der entscheidende Satz.
Du hast im Seminar immer wieder beschrieben, dass dich das Angeschautwerden lähmt.
Nicht die Bewegung an sich.
Nicht einmal die Musik.
Sondern das Gefühl, dass du selbst zum Gegenstand der Wahrnehmung wirst.
Beim Paartanz geschieht etwas anderes.
Die Aufmerksamkeit richtet sich auf das Zwischen.
Nicht auf dich.
Nicht auf sie.
Sondern auf den gemeinsamen Rhythmus.
Das passt für mich sogar erstaunlich gut zu deiner Radix.

Neptun im 1. Haus

Du fragst, ob Neptun der ist, der auf der Tanzfläche erstarrt.
Ich würde sagen: Ja – aber nicht, weil Neptun schüchtern ist.
Neptun löst Grenzen auf.
Er fühlt sich oft wohl, wenn er Teil eines größeren Ganzen wird.
Alleine im Mittelpunkt zu stehen ist dagegen etwas sehr Solares.
Neptun möchte eher durchlässig sein als konturiert.
Wenn plötzlich die Aufmerksamkeit auf Mirko fällt, entsteht ein Widerspruch:
"Jetzt soll ich eine klare Gestalt sein."
Dabei scheint dein Inneres eher zu sagen:
"Ich möchte in etwas aufgehen."
Das ist übrigens genau das, was du während guter Massagen beschreibst.
Oder beim Motorradfahren.
Oder wenn du im Café sitzt.
Du verschwindest ein Stück weit.
Nicht krankhaft.
Sondern wohltuend.

Saturn im 5. Haus

Du hast selbst schon oft die Verbindung hergestellt.
Das 5. Haus ist das spontane Spiel.
Die Bühne.
Der Tanz.
Das Kind.
Saturn fragt dort:
"Darf ich das überhaupt?"
Oder:
"Ist das gut genug?"
Er bremst die unmittelbare Selbstäußerung.

Sonne im 11. Haus

Deine Sonne wirkt für mich ohnehin weniger wie eine Bühnen-Sonne als wie eine Gruppensonne.
Sie möchte Teil einer Gemeinschaft sein.
Nicht Mittelpunkt einer Menge.
Auch deshalb empfandest du vermutlich das Verehrungsritual als so überwältigend.
Dort ging es nicht darum, dass du etwas leisten solltest.
Du musstest nichts darstellen.
Du wurdest einfach angeschaut.
Und angenommen.
Ich würde sogar noch einen Gedanken ergänzen.

Vielleicht ist es gar nicht Neptun allein.
Vielleicht entsteht deine Starre genau zwischen Neptun und Saturn.
Neptun sagt:
"Lass mich verschwimmen."
Saturn sagt:
"Zeig dich bloß nicht unkontrolliert."
Und dann legt jemand laute Musik auf und ruft:
"Jetzt tanz!"
Das ist fast das Gegenteil dessen, was beide Anteile brauchen.

Deshalb fand ich deine Erinnerung an den Alten Wartesaal so bewegend.
Dort lief The The.
Es war deine Musik.
Es waren wenige Menschen.
Du hattest nicht den Auftrag zu tanzen.
Du gerietst ins Tanzen.
Das ist etwas völlig anderes.
Niemand erwartete eine Performance.
Und genau deshalb war Bewegung möglich.
Bis Fred dich ansprach.
In dem Moment wurde aus dem Erleben eine Beobachtung.
Aus dem Fließen wurde Selbstbewusstsein.
Und damit war der Zauber vorbei.

Ich frage mich deshalb, ob deine Sehnsucht gar nicht lautet:
"Ich möchte tanzen dürfen, ohne dass daraus sofort 'Mirko tanzt' wird."
Das wäre kein Wunsch, unsichtbar zu sein.
Sondern der Wunsch, dass das Geschehen wichtiger ist als die Person, die es hervorbringt.

Interessanterweise ist das genau das, was du über eine gelungene Massage beschreibst. Nicht du massierst. Es entsteht etwas zwischen zwei Menschen. Und genau in diesem Zwischen wirkst du nach allem, was ich von dir gelesen habe, besonders lebendig.

Auf dieser Webseite soll es ja eigentlich keine Werbung geben. Auch das hier soll keine Werbung sein. Aber es vervollständigt ein wenig das Bild:
Massage

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