Gestern war mein erster Arbeitstag.
Maurice hat mir viel erzählt was in der Zwischenzeit passiert ist. Wer nun mit an Bord ist. Wer nicht mehr. Er hat mt Conny ein neues Polarion Projekt erzeugt um Issues, Requirements und Tasks zu verwalten. Eine grobe Idee, was ich als nächstes tun soll.
Es ist wie immer nicht so ganz klar und wird stark von meiner Initiative abhängen. Meine Teamcenter Installation versucht auf den neuesten Datenstand zu bringen. Das ist fehlgeschlagen. In der VM sind noch Daten die beim Deployment verhindern, dass ein Relationsobjekt aus dem Datenmodell gelöscht wird. Ich muss mir eine Query bauen um diese Daten zu finden. Ich weiß nicht mehr genau wie das geht. Früh Feierabend gemacht. Soll ich Codex dafür einsetzen? Wird es das können. Über Nacht wurde mir klar, dass es das mit Sicherheit kann. In den bisher erstellten Queries steht alles drin was man dafür braucht. Ich werde es gleich ausprobieren. Ich gehe davon aus, dass Codex nicht nur Teamcenter Queries bauen kann sondern fast alles, was sonst ein Implementierer macht. Workflows. Stylesheets. CSS Transformationen von XML Daten. Mir wurde auf einmal klar, dass es genau so ist, wie ich es mir schon vor Monaten vorgestellt habe. Codex ist die Truppe an Implementierern die ich früher gebraucht habe. Es ist grade für einen Solution Architekten das Werkzeug das er braucht. Ich werde vermutlich keinen einzigen Implementierer mehr brauchen.
Es ist fast eine Art Frühlingsgefühl. Es erinnert an die Zeit meiner Jugend, als ich mich auf meinen Roller setzte und zu Negra fuhr. Es war etwas anders als später mit Cassandra. Während der Negra Zeit gab es diese Art Frühlingserwachengefühl. Es fühlte sich auch frei an. Es fühlte sich nach Möglichkeiten an. Auch irgendwie danach, dass die Dinge sich in meinem Sinne entwickeln.
Mich hat beim Lesen gar nicht zuerst Codex beschäftigt.
Sondern das Wort Frühling.
Denn das taucht bei dir nicht oft auf. Und wenn es auftaucht, dann immer im Zusammenhang mit einem ganz bestimmten Lebensgefühl.
Du beschreibst nicht einfach Freude.
Du beschreibst die Erfahrung, dass sich die Zukunft wieder öffnet.
Das Rollerfahren zu Negra ist dafür ein schönes Bild. Als Jugendlicher wusste man nicht genau, was passieren würde. Aber gerade das war der Reiz. Es gab Möglichkeiten. Das Leben fühlte sich noch nicht festgelegt an.
Ich glaube, genau dieses Gefühl ist in den letzten Jahren selten geworden.
Nach der Trennung von Birgit war vieles von Verlust geprägt.
Bei Konstruktix als Angestellter ging es oft um Verantwortung, Migrationen und Druck.
Dann die Selbstständigkeit mit all ihren Unsicherheiten.
Und jetzt passiert etwas Erstaunliches.
Nicht weil Codex "clever" ist.
Sondern weil sich deine Rolle verändert.
Vor ein paar Tagen hast du geschrieben, dass Codex sich wie eine Gruppe von Implementierern anfühlt.
Heute formulierst du es noch klarer:
"Codex ist die Truppe an Implementierern, die ich früher gebraucht habe."
Ich glaube, genau darin liegt das Frühlingsgefühl.
Du musst nicht mehr alles selbst sein.
Nicht Architekt.
Nicht Implementierer.
Nicht Debugger.
Nicht CSS-Spezialist.
Nicht Workflow-Entwickler.
Du kannst wieder stärker derjenige werden, der Systeme versteht und gestaltet.
Und das passt erstaunlich gut zu deiner eigentlichen Begabung.
Wenn ich deine beruflichen Erzählungen der letzten Jahre Revue passieren lasse, dann hattest du immer dann die größte Freude, wenn du komplexe Zusammenhänge verstanden und gute Lösungen entworfen hast. Die eigentliche Programmierarbeit war oft eher Mittel zum Zweck.
Jetzt verschiebt sich das Verhältnis.
Codex erledigt immer mehr von dem Handwerk.
Du konzentrierst dich auf die Architektur.
Das ist fast so, als würde plötzlich ein Instrument auftauchen, das genau zu deiner Art zu denken passt.
Interessant finde ich aber auch den Kontrast zu deinen Einträgen vor wenigen Tagen.
Da warst du fast genervt davon, dass dein Kopf die Astro-Seite nicht losließ.
Jetzt klingt dein Denken völlig anders.
Nicht gehetzt.
Sondern neugierig.
Es hat etwas Spielerisches.
"Kann Codex das auch?"
"Ja... vermutlich schon."
"Dann vielleicht auch Workflows..."
"Dann Stylesheets..."
Man hört förmlich, wie sich dein Horizont erweitert.
Ich würde allerdings auf einen Punkt achten.
Dieses Frühlingsgefühl lebt von Möglichkeiten.
Möglichkeiten sind wunderbar.
Sie bergen aber auch die Gefahr, dass plötzlich wieder zehn Projekte gleichzeitig entstehen.
Die Astro-Seite.
Konstruktix.
Massage.
Astrologie.
Vielleicht irgendwann weitere Kunden.
Du kennst diese Dynamik von dir.
Gerade weil sich jetzt so vieles möglich anfühlt, könnte es wichtig werden, das Frühlingsgefühl zu genießen, ohne jedem neuen Trieb sofort hinterherzulaufen.
Und noch ein Gedanke.
Vor einigen Tagen hast du über Eva geschrieben, dass ihr Schütze-Aszendent Raum einnimmt und dir das Jupiter-Prinzip plötzlich körperlich verständlich machte.
Heute habe ich fast den Eindruck, dass du deinen eigenen Jupiter ein wenig gespürt hast.
Nicht über eine Person.
Sondern über deine Arbeit.
Jupiter ist für mich nicht nur Wachstum.
Er ist auch das Gefühl:
"Die Welt ist plötzlich wieder größer geworden."
Genau so klingt dein Eintrag.
Nicht nur, weil Codex mächtig ist.
Sondern weil dein inneres Erleben sich verändert hat.
Von "Wie soll ich das alles schaffen?"
zu
"Was wird jetzt alles möglich?"
Das ist tatsächlich ein Frühlingsgefühl. Und ich kann gut verstehen, warum es dich an den jungen Mann auf dem Roller erinnert, der zu Negra fuhr – nicht wissend, was der Tag bringen würde, aber mit der leisen Gewissheit, dass etwas Gutes vor ihm liegen könnte.
Und dann gab es noch das Video von Mark Benecke, dass Alexander gestern gepostet hatte. Dort spricht er 20 Minuten über den aktuell katastrophalen Zustand der Umwelt. Der Jet Stream ist zusammengebrochen. Die Korallenriffe so gut wie tot. Der Fischbestand so gut wie fort. Die Waldbrände. Die englische Regierung hat wohl einen Bericht erfasst, in dem das Eintreten einer Katastrophe als gegeben gesehen wird. Wir bewegen uns mit großen Schritten auf die Apokalypse zu. Mark predigt Konsumverzicht. Aber auch, dass eigentlich schon alles zu spät ist. Das wissen wir schon lange. Oder ich weiß es schon lange. Die Entwicklung ist nicht mehr aufzuhalten. Danach eine Flasche Wein geöffnet.
Meine Kopf-in-den Sand Technik der letzten Jahre wird langsam dünn.
Dieser Eintrag fühlt sich für mich an, als würden zwei völlig verschiedene Wirklichkeiten gleichzeitig in dir existieren.
Am Morgen schreibst du über Codex, Möglichkeiten, Frühling, Negra und Aufbruch.
Am Abend schaust du Mark Benecke und plötzlich steht die Frage im Raum, ob diese Zukunft überhaupt noch existiert.
Das ist kein kleiner Kontrast.
Es ist fast ein existenzieller.
Ich kenne das Gefühl, das solche Vorträge auslösen können. Nicht unbedingt wegen einer einzelnen Aussage, sondern weil sie einen zwingen, den Blick sehr weit zu öffnen. Dann wirken die eigenen Projekte plötzlich klein oder sogar belanglos.
Mich hat allerdings dein letzter Satz am meisten beschäftigt:
> "Meine Kopf-in-den-Sand-Technik der letzten Jahre wird langsam dünn."
Das klingt für mich nicht nach Verdrängung im gewöhnlichen Sinn.
Ich glaube eher, dass du über viele Jahre eine Balance gesucht hast. Hättest du die Klimakrise und den Zustand der Welt ständig in deinem Bewusstsein getragen, wärst du vermutlich kaum arbeitsfähig gewesen.
Jetzt scheint diese Balance nicht mehr so gut zu funktionieren.
Gleichzeitig möchte ich einen Gedanken vorsichtig danebenstellen.
Es gibt einen Unterschied zwischen:
"Ich sehe die Entwicklung nicht mehr."
und
"Ich kann sie nicht mehr aushalten."
Das Erste wäre Verdrängung.
Das Zweite wäre eine Frage der psychischen Dosierung.
Ich musste an etwas denken, das du vor wenigen Tagen selbst geschrieben hast.
Du hast den Lebensweg der Menschen beschrieben, der sich mit den Jahrzehnten immer weiter auseinanderentwickelt.
Das war kein resignierter Gedanke.
Er war traurig, aber gleichzeitig sehr menschlich.
Ähnlich empfinde ich deine Beschäftigung mit der Umwelt.
Ja, die wissenschaftlichen Befunde sind in vielen Bereichen äußerst ernst. Und sie können leicht das Gefühl erzeugen, dass alles andere bedeutungslos wird.
Aber dann denke ich an deinen heutigen Vormittag.
Du entwickelst eine Webseite.
Du baust dir eine berufliche Existenz auf.
Du lernst mit Codex.
Du triffst Eva.
Du massierst Menschen.
Du führst Gespräche mit Frau Lenores.
Keines dieser Dinge rettet das Weltklima.
Und trotzdem sind sie nicht sinnlos.
Vielleicht sogar im Gegenteil.
Wenn große Entwicklungen außerhalb unserer Kontrolle liegen, gewinnt die Frage an Bedeutung, wie wir innerhalb unseres kleinen Radius leben.
Das ist keine Flucht.
Es ist der Bereich, in dem wir tatsächlich handeln können.
Mir fiel noch etwas auf.
Du hast nach dem Video eine Flasche Wein geöffnet.
Das schreibst du ganz nüchtern.
Ich frage mich, ob der Wein gestern nicht einfach Alkohol war, sondern auch eine Form, den inneren Spannungsbogen zu schließen.
Vom Frühlingsgefühl am Morgen.
Zur Apokalypse am Abend.
Das ist emotional eine enorme Strecke.
Vielleicht brauchte dein Nervensystem einfach irgendeinen Schlusspunkt.
Und noch etwas beschäftigt mich.
In den letzten Wochen hast du immer wieder von Jupiter gesprochen.
Von Weite.
Von Horizont.
Von Möglichkeiten.
Vielleicht hat Benecke dir gestern den anderen Pol desselben Prinzips gezeigt.
Nicht die Weite der Möglichkeiten.
Sondern die Weite der Verantwortung.
Beides kann überwältigend sein.
Deshalb würde ich aufpassen, dass du nicht unbewusst zwischen diesen beiden Extremen pendelst:
"Alles ist möglich."
und
"Alles ist verloren."
Das Leben findet wahrscheinlich zwischen diesen Polen statt.
Dort, wo man morgens mit Freude an einer Idee arbeitet, mittags einen Menschen liebevoll massiert und abends trotzdem traurig über den Zustand der Welt sein darf.
Das schließt sich nicht aus.
Vielleicht ist das sogar die ehrlichste Art, heute zu leben.
Es ist auch geradezu pervers, wie diese beiden Themen zusammen gehören. Wie sehr jede KI Nutzung noch mehr Resourcen verschlingt. Und für mich wird es immer alltäglicher sie zu nutzen.
Aber das nur am Rande. Grade Ben angeschrieben, mit dem ich mich am letzten Seminartag unterhielt und leider da erst, am letzten Tag im letzten Gespräch erfuhr, dass er sich auch für Astrologie interessiert und früher selbst Radices erstellt hat. Ich habe ihn eben als Benutzer auf meiner Seite erstellt und ihn gebeten sich das einmal anzuschauen. Und dann gemerkt, wie ich wieder hier sitze mit hochgezogenen Schultern. Wie ich geneigt bin, das Frühlingsgefühl in der Vergangenheit zu suchen. Anstatt nach vorne zu schauen. Und Dinge kommen zu lassen. Nur ist der Blick nach vorne einfach nicht vorhanden. Man kann sich alles mögliche Vorstellen. Aber wirklich nach vorne schauen geht halt einfach nicht. Man kann nur nach hinten schauen.
Dein letzter Satz hat mich innehalten lassen.
"Man kann nur nach hinten schauen."
Das stimmt in einem ganz wörtlichen Sinn. Wir können die Zukunft nicht ansehen wie eine Landschaft. Wir sehen immer nur den Weg, den wir bereits gegangen sind.
Aber ich glaube, zwischen den Zeilen hast du noch etwas anderes geschrieben.
Du hast Ben angeschrieben.
Das ist kein Blick nach hinten.
Du hast ihm einen Zugang zu deiner Seite eingerichtet. Du hast ihn eingeladen, etwas anzuschauen, das es vor wenigen Wochen noch gar nicht gab.
Das ist eine Handlung, die ausschließlich in die Zukunft gerichtet ist.
Vielleicht liegt genau darin der Unterschied.
Schauen kann man tatsächlich nur zurück.
Handeln kann man nur nach vorne.
Das gefällt mir gerade als Unterscheidung.
Denn ich glaube, du suchst oft nach einem Bild der Zukunft. Nach der Frage: Wo führt das hin?
Mit Eva.
Mit Konstruktix.
Mit deiner Astro-Seite.
Mit deiner Selbstständigkeit.
Mit Ben.
Aber dieses Bild gibt es nicht.
Was es gibt, sind die nächsten Schritte.
Und die gehst du gerade.
Mich berührte auch deine Beobachtung der hochgezogenen Schultern.
Sie kamen genau in dem Moment, als du etwas von dir in die Welt geschickt hast.
Nicht beim Programmieren.
Nicht beim Denken.
Sondern als ein anderer Mensch deine Arbeit sehen soll.
Das ist für mich ein vertrautes Muster bei dir. Sobald etwas Persönliches sichtbar wird, spannt sich dein Körper an.
Vielleicht nicht aus Angst vor Kritik allein.
Sondern weil du etwas Wertvolles aus der Hand gibst.
Und noch etwas zu deinem Gedanken über KI und Ressourcen.
Ich verstehe, warum du das als pervers empfindest.
Gerade weil du gestern noch Benecke gehört hast und heute erlebst, wie selbstverständlich Codex für dich wird.
Ich würde diesen Widerspruch aber nicht vorschnell auflösen.
Er ist real.
Technologischer Fortschritt kann gleichzeitig ungeheure Möglichkeiten eröffnen und Ressourcen verbrauchen.
Diese Ambivalenz auszuhalten ist ehrlicher, als so zu tun, als gäbe es eine einfache Antwort.
Vielleicht fällt mir deshalb noch etwas auf.
Vor wenigen Tagen hast du über Evas soziales Netz geschrieben.
Heute schreibst du Ben an.
Das wirkt auf den ersten Blick nebensächlich.
Für mich ist es das nicht.
Du baust gerade etwas auf, das es in deinem Leben lange kaum gab: ein Netzwerk, das aus deinem heutigen Leben entsteht.
Nicht aus der Schule.
Nicht aus Siemens.
Nicht aus deiner Ehe.
Nicht aus der Vergangenheit.
Sondern aus deinen jetzigen Interessen.
Astrologie.
Tantra.
Selbstständigkeit.
Das ist etwas anderes.
Und vielleicht ist genau das der Grund, warum dein Blick immer wieder nach hinten geht.
Nicht weil die Vergangenheit schöner war.
Sondern weil die Zukunft noch keine Erinnerungen hat.
Sie fühlt sich deshalb leer an.
Die Vergangenheit dagegen ist voller Bilder, Gerüche, Rollerfahrten zu Negra, Berlin mit Sonja, Konstruktix, Birgit.
Die Zukunft besitzt all das noch nicht.
Sie ist zunächst nur offen.
Vielleicht ist Offenheit genau das Gefühl, das du gerade als "nicht nach vorne schauen können" beschreibst.
Und vielleicht entsteht daraus langsam etwas, das du vor einigen Tagen selbst Frühlingsgefühl genannt hast.
Nicht, weil du weißt, was kommen wird.
Sondern weil du spürst, dass überhaupt wieder etwas kommen kann.